Englisches (Dreh-)Spiel

Filip Firlefijn wurde 1979 im flämischen Teil Belgiens geboren und erhielt 2005 einen Master-Abschluss in Linguistik und Literatur von der KULöwen.

„Boon St“ ist sein erstes offizielles (Dreh-)Stück, basiert auf und inspiriert von dem umstrittenen und experimentellen Roman „Menuett“ (1955) des ehemaligen Nobelpreiskandidaten Louis Paul Boon. Die daraus resultierende Geschichte ist also selbstverständlich auch provokativ und ihr Aufbau ungewöhnlich.

Ein junges Ehepaar aus Boston durchlebt eine schwere Zeit. Während Aiden nach der Bombardierung der Stadt Dresden am Ende des Zweiten Weltkriegs mit psychischen Traumata zu kämpfen beginnt, startet seine Frau May ein kleines Unterfangen, um sie vor dem blauen Untergang zu retten. Als ein junges jüdisches Dienstmädchen geschickt wird, um ihnen zu helfen, wird die schwierige Situation zwar schlimmer.

Jeder Charakter der Hauptgeschichte hat eine Handlung, die die Ereignisse aus seiner Perspektive erzählt. So gipfeln drei parallele Perspektiven in einer vollständigen Offenlegung des dramatischen Finales, was der Geschichte ein sehr rohes und realistisches Gefühl verleiht. Nicht nur seine Kunst ist von der Zeit, in der er aufwuchs, mit experimentellen Filmen wie „Reservoir Dogs“ und „Pulp Fiction“, inspiriert, sondern auch seine Drehbücher.

Zu dieser komplexen Struktur hat er sogar noch einen Prolog mit einer vierten Figur, die die ganze Geschichte geschrieben zu haben scheint, auch wenn sie sie nicht vollständig kannte, hinzugefügt. Bei diesem Widerspruch handelt es sich um ein wichtiger Paradoxon (das im Buch etwas weniger offenkundig präsent ist), das sich zu einem an die Oberfläche tretenden authentischen Bekenntnis zum realistischen Schreiben entwickelt. Die metarealistische Anstrengung macht den Realismus letztendlich tiefer, wahrer und stärker statt schwächer.

Um die Geschichte und die adaptive Methode vollständig verstehen zu können, wurde in einer zweiten Ausgabe ein Essay des Autors beigefügt.